zurück zu Dreams of Albia, Artikelseite

Leben im Computer /
Ein Spiel setzt Maßstäbe in der künstlichen Intelligenz
Computer-News, 22.12.1998

München (ots) - Das Computerspiel "Creatures 2" des englischen Herstellers Cyberlife sorgt derzeit für Wirbel in der Diskussion um künstliche Intelligenz, wie das Computermagazin CHIP in seiner aktuellen Ausgabe 1/99 berichtet. Norns - die Helden dieses Spiels - sind elektronische Organismen, die denken, fühlen und sich fortpflanzen können. Die Software-Kreaturen sind lernfähig und können sich komplexe Verhaltensweisen aneignen. Revolutionär ist der Einsatz dieser Technik für kommerzielle Anwendungen in Flugsimulationen oder in der Filmindustrie.

Das Kernstück eines Norns ist ein neuronales Netz, das dem Gehirn nachgebildet ist und so Verhaltensweisen steuert. Muß bei anderen Spielfiguren jede Aktion und Reaktion mühevoll programmiert werden, so funktioniert ein Norn nach einem völlig anderen Prinzip: Er verfügt über Wahrnehmungssinne und Triebe. Durch Bestrafung und Belohnung, die sein Trainer bzw. der Spieler ausführt, lernt er, welche seiner Aktionen zu einem positiven Ergebnis führen. Einmal gespeichert, handelt er auch in Zukunft nach diesem Muster.

Dieser Ansatz eröffnet völlig neue Perspektiven. So nutzte ein amerikanisches Unternehmen Norns, um das Verhalten von Kunden in einer Bank zu simulieren. Einen weiteren Meilenstein setzten Eurofighter-Testflüge, die von Norns als Piloten durchgeführt wurden. Derzeit arbeitet Cyberlife an einem kompletten Ökosystem, in dem der Klimakreislauf ebenso realistisch gestaltet ist wie Flora und Fauna sowie höher entwickelte Lebewesen. Diese künstliche Welt wird die Basis eines weiteren Computerspiels bilden, aber auch für die ökologische Forschung von großer Bedeutung sein.

"Grenzen sind dieser Entwicklung derzeit lediglich durch die Leistungsfähigkeit der heute erhältlichen Prozessoren gesetzt", erklärt CHIP-Chefredakteur Rainer Grabowski. "Nimmt die Leistungsfähigkeit der Hardware allerdings weiter so rasch zu wie bisher, kann in einigen Jahren das menschliche Gehirn mit den Verknüpfungen all seiner Neuronen auf dem Computer annähernd realistisch simuliert werden." Die Auswirkungen auf die Software-Industrie und auch für unser gesamtes Leben sind heute noch nicht absehbar.

© 1998 ZVW-Online   permission from www.zvw.de/aktuell/ for dreams-of-albia.de
zurück zu Dreams of Albia, Artikelseite